'Der Himmel über dem Ruhrgebiet...'

300 Teilnehmer bei der Konferenz der FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG im Casino Zollverein.

Die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen Hannelore Kraft zitiert: „Über Nacht wurden die blühenden Obstbäume zu totem Holz. Giftwolken hatten sich in den frühen Morgenstunden auf die 130 Kleingärten des Duisburger Stadtteils Neuenkamp gesenkt“.

So hieß es 1961 in einem Zeitungs­artikel über das Ruhrgebiet, und dabei wurde nicht etwa über einen einmaligen Chemieunfall berichtet, sondern über eine in der Region damals ganz übliche Belastung. Auch heute erinnern sich viele noch an rußbedeckte Autos – damals „Revierlack“ genannt. Doch mehr zählte, dass es nach dem Krieg wirtschaftlich wieder aufwärts ging, wichtiger erschienen die Arbeitsplätze, die durch Kohle und Stahl gesichert wurden.Und in eine solche Zeit stellte Willy Brandt am 28. April 1961 – also vor 50 Jahren – die erstaunliche ­Forderung: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ Viele konnten gar nicht glauben, dass es ihm ernst war mit einem Ziel, das den meisten damals ganz unerreichbar oder geradezu exotisch vorkam. Brandt klagte zwei Monate später über die Reaktionen: „Anstatt die Frage nach der Notwendigkeit zu stellen, hat man Kübel voller Hohn ausgeschüttet und behauptet, wir versprächen das Blaue vom Himmel.“

Wie muss unter diesen Vorzeichen eine ökologische Wirtschafts- und Strukturpolitik aussehen? Welche Lehren können aus den Erfahrungen des Strukturwandels in NRW für die anstehende ökologische Modernisierung der Produktionsstrukturen gezogen werden? Welche Bedeutung hat die damalige Rede Willy Brandts vom „blauen Himmel über der Ruhr“ heute?

Diese und weitere Fragen wurden während der Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum 50. Jahrestag der Rede von Willy Brandt mit der Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen Hannelore Kraft und weiteren Experten am 02.05.2011 im Casino Zollverein diskutiert.